Kleinodien


Die Kirche zu Burgmannshofen ist ohne jeden Zweifel der ganze Stolz und auch das Wahrzeichen der kleinen Ortschaft. Wann und von wem das trutzige Gebäude mit seinem mächtigen Viereckturm erbaut wurde, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Als Orientierung mag die von Historikern getroffene Einstufung als „im Kern romanisch“ dienen, womit das 11./12. Jahrhundert in Frage käme. Tatsächlich wird dieses Gotteshaus gemeinhin als ältestes Bauwerk der Umgebung gewertet. Für die Bedeutung der einstigen Pfarrkirche spricht auch, dass Übersfeld und Blossenau lange Zeit keinen eigenen Kelch zur Messfeier ihr Eigen nennen konnten und sich denselben stets von Burgmannshofen ausleihen mussten.

Im Inneren der Kirche befinden sich neben einem eindrucksvollen Deckenbild drei Altäre: Der Hochaltar zeigt wie das Deckenbild die hl. Gertrud von Nivelles, die Patronin der Kirche. Die beiden Seitenaltäre sind ebenfalls mit Ölgemälden versehen, die die Mutter Gottes (Gnadenbild „Mariahilf“) und den hl. Antonius von Padua (letzteres laut Signatur aus dem Jahre 1851) darstellen und zuletzt 2005 restauriert wurden.

Gertrud war die Tochter von Pippin dem Älteren bzw. die Ur-Ur-Großtante von Karl dem Großen. Mit 14 Jahren trat sie in das von ihrer Mutter gegründete Kloster in Nivelles ein, dem sie von 652 bis zu ihrem frühen Tode am 17. März 659 als Äbtissin vorstand. Sie war sehr gebildet und setzte sich dafür ein, dass auch Mädchen die Heilige Schrift lesen sollten. Ebenso war sie engagiert in der Krankenpflege und ließ für irische Wandermönche, die sie in ihr Kloster gerufen hatte, ein Spital bauen. Die hl. Gertrud ist Schutzpatronin der Reisenden und Pilger, der Gärtner, der Armen und der Witwen, aber auch gegen Mäuse- und Rattenplagen wird sie angerufen.

Im Jahre 1711 erfolgte eine Renovierung (Barockisierung) der Kirche und der Anbau der Sakristei. Als bemerkenswert wurde das alte Schloss der mitlerweile ersetzten Kirchentüre eingestuft, das ins Holz gestochen die Jahreszahl 1649 darstellte.

Im wuchtigen Kirchturm lassen heute 3 Glocken ihren Ehrfurcht gebietenden Klang ertönen, um zu Gebet und Andacht zu rufen (weitere Informationen finden sich in den Burgmannshofer Dorfgeschichten).

 

Bis in die Zeit um 1902 fanden die sonntäglichen Gottesdienste abwechselnd in den drei Filialkirchen der Pfarrei statt, bis diese von Vikar Johann Spatz als zu klein erachtet wurden. Von da an bis heute wird die Sonntagsmesse nur noch in der Pfarrkirche in Übersfeld gelesen, lediglich einmal im Jahr - zum Fest des Patroziniums am 17. März  - wird noch die gesamte Pfarrgemeinde nach Burgmannshofen eingeladen. 

Nachdem bereits während des Zweiten Weltkrieges mit Hilfe der gefangenen Franzosen am Erscheinungsbild des Friedhofes gearbeitet worden war, wurden um 1960 umfassendere Arbeiten daran und auch am Kirchengebäude selbst durchgeführt. Die Friedhofsmauer wurde komplett erneuert (1957), das Mauerwerk der Kirche trocken gelegt und die Sakristei nach Osten hin vergrößert. Doch auch vor dem Kircheninneren machten die Bauarbeiten nicht Halt. Die hölzerne Kanzel wurde herausgerissen und der Beichtstuhl, der zuvor genau unter der Kanzel installiert gewesen war, wurde an seinem heutigen Platz in die alten Mauern des Gotteshauses eingelassen.  

Besonders bemerkenswert ist überdies die grundlegende Sanierung des Turmes, die nach einem Blitzschlag (30. Juni 1947) und einem verheerenden Hagelsturm (1950) sicher bitter nötig war. Anders als bei den vorhergehenden Reparaturen wurde nun das komplette Dachgebälk erneuert, wobei man die Höhe desselben durch Verringerung der Dachsteigung verkürzte.

Der jetzige Tabernakel fand erst 1995 seinen Weg nach Burgmannshofen und befand sich zuvor im Besitz der Lioba-Schwestern in Bonn.

Am westlichen Dorfeingang wartet Burgmannshofen zudem noch mit einem weiteren sakralen Kleinod auf. Karl Seyßler, langjähriger Förderer und Gönner der Freiwilligen Feuerwehr, hat hier nach einem Gelübde die Kapelle „Maria an der Straße“ errichtet, die am 12. Juni 1966 unter großer Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung feierlich geweiht wurde. Heute bietet diese Kapelle, in der der Erbauer selbst begraben liegt, einen würdigen Ort für Andachten im Marienmonat Mai.  

Den Besucher aus östlicher Richtung empfängt unsere Ortschaft mit einem viel älteren Bauwerk, dessen Ursprünge in Vergessenheit gerieten und somit wohl für immer vom Dunkel der Geschichte umhüllt bleiben. Womöglich zunächst dem hl. Johannes geweiht, ist die kleine Kapelle unter den mächtigen Kastanien heute ein Ort der Marienverehrung.